Wie Banken den europäischen Aufschwung befördern können

Wie Banken den europäischen Aufschwung befördern können

Zürich, 28. Juli 2021 – Nach einem der stärksten Einbrüche des Bruttoinlandsproduktes, den die Wirtschaft je erlebt hat, stehen bis zu ein Viertel (160 Milliarden Euro) der Erträge im europäischen Bankensektor auf dem Spiel, wenn es der Branche nicht gelingt, einen Beitrag zur Lösung einer Reihe neuer Herausforderungen zu leisten, vor die sich die Gesellschaft durch die Pandemie gestellt sieht. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Report «Ready To Lead: How Banks Can Drive the European Recovery» der internationalen Strategieberatung Oliver Wyman.

Das Bankensystem ist mit hohen Eigenkapitalquoten gut aufgestellt, um die wirtschaftliche Erholung in Europa massgeblich mit voranzutreiben. Diese komfortable Position ist vor allem auf niedrigere Rückstellungen als erwartet und Dividendensperren zurückzuführen. Die harte Kernkapitalquote (CET1) liegt im Branchendurchschnitt bei 15,4 Prozent und hat sich damit gegenüber den 14,4 Prozent aus dem Jahr 2019 weiter erhöht. Weniger als 1 Prozent des gesamten Eigenkapitals in der Branche entfällt auf Banken mit einer CET1-Quote von unter 12 Prozent.

Die Konsensschätzung zu den Kreditausfällen bei an die europäische Bankenaufsicht berichtenden Instituten für das Jahr 2020 lag bei ca. 200 Milliarden Euro. Letztendlich waren es 110 Milliarden Euro, immer noch mehr als das Doppelte an Ausfällen im Vergleich zu 2019. Seither haben 30 Prozent der Banken, die Quartalsberichte veröffentlichen, Rückstellungen aufgelöst, im Durchschnitt 12 Prozent pro Geldhaus, Tendenz steigend.

Doch mit der durch die enorme Liquidität am Markt verursachten Blasenbildung an den Kapitalmärkten, niedrigen Zinsen, einem spekulativen Goldrausch bei digitalen Vermögenswerten und dem Schreckgespenst steigender Inflationsraten stehen der Branche noch härtere Zeiten bevor. In Ländern, die sich wegen der Pandemie zu besonders strengen Lockdown-Massnahmen gezwungen sahen und deren Volkswirtschaften besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, sackten die Erträge um bis zu 11 Prozent ab. Bei den risikogewichteten Aktiva betrug der Rückgang knapp 5 Prozent.

In dem Report werden fünf Herausforderungen skizziert, die die Banken in Europa meistern müssen, damit die Wirtschaft zurück auf den Wachstumspfad findet:

1. Beendung von Notfallkreditprogrammen

2. Umstellung auf die Massnahmen der Europäischen Union zur Erholung der Kapitalmärkte im Rahmen der Kapitalmarktunion und den Corona-Wiederaufbaufonds «Next Generation EU»

3. Finanzierung des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft

4. Bereitstellung des Zahlungsverkehrs, Kreditvergabe und andere Bankprodukte in einer digitalen Wirtschaft

5. Aufbau der Finanzinfrastruktur der Zukunft, einschliesslich digitalem Zentralbankgeld.

«Die europäischen Banken haben jetzt die einmalige Chance, die Wirtschaft dabei zu unterstützen, sich von den Folgen der Coronakrise zu erholen und einige der grössten Herausforderungen zu bewältigen, vor denen wir in Europa stehen. Mit Abklingen der Pandemieeffekte geht es dabei um nicht weniger als ein Viertel der Erträge des Bankensektors. Das Bankensystem muss mit der Politik in Dialog treten, seine zentrale Rolle in der Wirtschaft neu verankern und das Vertrauen seiner Kunden stärken. Banken haben die historische Chance, Teil der Lösung und nicht Teil des Problems zu sein», sagt Tobias Würgler, Partner und Leiter Financial Services bei Oliver Wyman in der Schweiz.

Für Schweizer Institute fällt diese Zeit zusammen mit einer Reihe von weiteren Entwicklungen: Die Beziehung zwischen der EU und der Schweiz befindet sich in einer kritischen Phase. Die Risikomanagementsysteme Schweizer Banken werden nicht nur von der Aufsicht kritisch beäugt, sondern auch durch Vorfälle wie Greensill und Archegos weiter auf die Probe gestellt. Und aufgrund der Zinssituation ändert sich das Anlageverhalten der Schweizer rasant.

«Das neue Umfeld und die mögliche wirtschaftliche Erholung bieten für die Schweizer Banken in allen Segmenten eine ausgezeichnete Gelegenheit, die eigene Position zu stärken und von den Veränderungen zu profitieren», so Würgler.

Über den Report

Der European Banking Report «Ready to Lead» von Oliver Wyman basiert auf unternehmenseigenen Modellen zur Schätzung der künftigen Finanzdaten. In die Berechnungen gehen Ausfallquoten bei Privatkunden und Unternehmen, Rückstellungen, risikogewichtete Aktiva, Gewinne und andere zentrale Kennzahlen für den Bankensektor ein. Es werden Aggregatgrössen auf europäischer Ebene sowie granularere Daten zu Ertrags- und Bilanzeffekten für 17 europäische Länder (Schweiz, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden und Spanien) angegeben.

Über Oliver Wyman

Oliver Wyman ist eine international führende Strategieberatung mit weltweit über 5.000 Mitarbeitern in 60 Büros in 29 Ländern. Wir verbinden ausgeprägte Branchenexpertise mit hoher Methoden-kompetenz bei Digitalisierung, Strategieentwicklung, Risikomanagement, Operations und Transformation. Wir schaffen einen Mehrwert für den Kunden, der seine Investitionen um ein Vielfaches übertrifft. Oliver Wyman ist ein Unternehmen von Marsh McLennan (NYSE: MMC). Unsere Finanzstärke ist die Basis für Stabilität, Wachstum und Innovationskraft. Zudem sind wir Mitgründer von digitalswitzerland, der Initiative, welche hinter den Schweizer Digitaltagen steht. Weitere Informationen finden Sie unter www.oliverwyman.ch. Folgen Sie Oliver Wyman auf Twitter @OliverWyman.