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Schweizer Banken haben Corona-Krise bislang gut bewältigt

Zürich, 14. November 2020 – Der nationale Lockdown im Zeitraum Mitte März bis Mitte Mai dieses Jahres hat tiefe politische, soziale und ökonomische Spuren in der Schweiz hinterlassen, die Bevölkerung und Wirtschaft wohl über Jahre hinaus beschäftigen werden. Die Schweizer Banken haben die COVID-19-Krise bislang gut überstanden, aber mit der zweiten Welle werden sich die Auswirkungen weiter akzentuieren. Längerfristig wird die sich beschleunigende, fundamentale Transformation den Bankensektor  massiv auf die Probe stellen, wie der «Schweizer Banken Report 2020» von Oliver Wyman zeigt.  

Die Schweizer Wirtschaft hat den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie bislang gut standgehalten. Das geht aus dem aktuellen «Schweizer Banken Report 2020» der internationalen Strategieberatung Oliver Wyman hervor. Die Turbulenzen infolge der Krise haben gezeigt, wie wichtig das entschiedene Handeln der Schweizer Banken und die Bereitstellung dringend benötigter Liquidität in Form von COVID-19-Krediten für Unternehmen war. Insgesamt sind bis Ende August 2020 auf diesem Weg über 130'000 Kredite mit einem Volumen von mehr als 16 Milliarden Schweizer Franken gewährt worden. «Schweizer Inlandbanken haben mit der raschen Bereitstellung der COVID-19-Kredite einen substanziellen Beitrag zur Krisenbewältigung geleistet», so Dr. Tobias Würgler, Partner und Bankenexperte bei Oliver Wyman.

Trotz Krise und gegen den Trend war im ersten Halbjahr der Ertragspool im Inlandgeschäft stabil bis sogar leicht steigend gegenüber 2019. Es zeigen sich jedoch klare Unterschiede nach Banken- und nach Kundengruppen. Im Privatkundensegment schrumpften die Erträge im ersten Halbjahr 2020 weiter. «Behaupten konnten sich hingegen nach wie vor das Firmen- und institutionelle Kunden- wie auch das Wealth Management-Segment», erläutert Robert Buess, Banking-Partner bei Oliver Wyman. Im Wealth Management konnten die raschen Kurserholungen an den Finanzmärkten sowie erhöhte Transaktionsvolumina initial befürchtete Einbrüche verhindern.

Dennoch trifft die Corona-Krise die Schweizer Inlandbanken ins Mark. Die Ertrags- und Ergebnissituation war bereits vor der Pandemie angespannt: Der Margendruck im Kerngeschäft konnte durch Volumenausweitungen insbesondere bei Hypotheken, Ertragsquellen- und Gebührendiversifikation nur knapp kompensiert werden. Die Wachstumsambitionen der heimischen Banken in einem stagnierenden Markt, das schwierige Zins- und Kreditumfeld sowie die Aktivitäten der Challengerbanken, Plattformen und Portale werden den Druck auf Erträge weiter erhöhen. Der Ertragsausblick 2025 zeigt einen um rund 10 Prozent geschrumpften Inlandmarkt. «Die Banken werden nicht darum herumkommen, auf der Kostenseite aktiver zu werden», sagt Dr. Kai Trümpler, Principal bei Oliver Wyman und Co-Autor des Berichts.

Als Gewinner aus der Krise kommen

«Die Schweizer Banken stehen vor einer unsicheren Zukunft, aber auch der enormen Chance, sich in einer stark wandelnden Gesellschaft neu zu positionieren», so Würgler. Es gelte, den Fokus und die Investitionen konsequent entlang der strategischen Transformationsagenda auszurichten. Banken sind gut beraten, sich auf die kurz- und mittelfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie vorzubereiten und ihre Managementprioritäten entsprechend zu setzen. Die Strategieberater empfehlen die konsequente Konzentration auf drei Handlungsfelder, um die kombinierten Auswirkungen kompensieren zu können.

Das erste Handlungsfeld umfasst die unmittelbare Reaktion auf die Krise und den damit verbundenen Lockdown. «Neben der Sicherstellung von Geschäft und Betrieb gilt es, insbesondere die Bedürfnisse der Kunden im Blick zu behalten», sagt Trümpler. Der zweite Schritt adressiert taktische Prioritäten und Managemententscheidungen über die nächsten 12 bis 18 Monate, um Bilanzfähigkeit und Profitabilität angesichts drohender Kreditverluste in Höhe von rund drei bis fünf Milliarden Schweizer Franken bis 2022 gewährleisten zu können. Schliesslich gilt es, die richtigen Stellhebel für die nächsten drei bis fünf Jahre zu setzen und die Lehren der Krise gezielt für eine nachhaltige Positionierung und Beschleunigung der strategischen Transformationsagenda zu nutzen. «Banken, welche bereits vor der Krise an der Repositionierung ihres Geschäftsmodells gearbeitet haben, werden sich gestärkt sehen. Für alle anderen ist es höchste Zeit, die Prioritäten neu zu ordnen und die Weichen für die Zukunft zu stellen», so Buess.

«Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass sich die Veränderung des Kundenverhaltens, insbesondere was die Akzeptanz digitaler Angebote und Lösungen anbelangt, auch in der Schweiz fundamental beschleunigt hat», sagt Würgler. Für die unmittelbare Zukunft gelte es, gezielt die richtigen Akzente zu setzen, um Ertragskraft und Bilanzqualität mittelfristig zu bewahren, so der Experte weiter.

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