Marsh & Mclennan Companies

Automatisierung gefährdet Arbeitsplätze älterer Arbeitnehmer

  • China und andere asiatische Länder besonders betroffen
  • Schweiz mit einer der geringsten Risikoraten im Ländervergleich
  • Investitionen in Fortbildung und Job-Redesign zahlen sich aus

Zürich, 17. Oktober 2018 Die zunehmende Automatisierung gefährdet die Arbeitsplätze älterer Arbeitnehmer. Gleichzeitig fehlen in den überalterten Gesellschaften junge Nachwuchskräfte. Besonders groß ist das Risiko für Arbeitnehmer in asiatischen Ländern. Die Schweiz ist unter den Ländern mit dem geringsten Risiko. Das zeigt eine aktuelle Studie, die die Beratungsunternehmen Oliver Wyman und Mercer für das Global Risk Center der Marsh & McLennan Companies durchgeführt haben. Um trotz dieses soziodemografischen Trends ausreichend Fachkräfte zu gewinnen, müssen Unternehmen ältere Arbeitnehmer als Chance begreifen und in Fortbildung und Job-Redesign investieren.

Die Kombination einer alternden Weltbevölkerung mit der zunehmenden Automatisierung in der Arbeitswelt wird erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen haben – insbesondere in einigen asiatischen Ländern, in denen gering qualifizierte Arbeitskräfte im Alter von 50 bis 64 Jahren einen immer größeren Anteil der Erwerbsbevölkerung darstellen. Bis 2025 laufen in China 76 Prozent, in Thailand 69 Prozent der älteren Arbeitnehmer Gefahr, aufgrund der Automatisierung nicht mehr am Arbeitsmarkt teilhaben zu können. Das ist das Ergebnis der Studie „The Twin Threats of Aging and Automation“ des Global Risk Center von Marsh & McLennan Companies.

Die Schweiz schneidet mit einem Risiko von 49 Prozent im deutschsprachigen Ländervergleich am besten ab. Hierzulande sind die älteren Arbeitnehmer in der Regel besser ausgebildet als in vielen anderen Ländern. Im Rahmen der Studie haben Experten von Oliver Wyman und Mercer untersucht, wie sich die Automatisierung auf ältere Arbeitnehmer in 15 ausgewählten Staaten in Europa, Asien und Amerika auswirkt. Neben Industriestruktur und Ausbildungssystem hängt das Automatisierungsrisiko für ältere Menschen auch von der Gestaltung der Sozial- sowie der Finanzierungssysteme ab.

Weitreichende Folgen für die Gesellschaft

Gerade in Kombination mit einer alternden Bevölkerung hat die Automatisierung weitreichende Folgen: „Unternehmen ringen heute um die zeitnahe und effiziente Einführung intelligenter Technologien – was sich unverhältnismäßig stark auf die älteren, weniger qualifizierten Arbeitnehmer auswirken kann“, sagt Axel Miller, Partner bei Oliver Wyman. „Diese Verschiebung kann zu Arbeitslosigkeit, zunehmender Ungleichheit und größerer Belastung der Sicherheitsnetze führen.“ Es bestehe die Gefahr, dass die Älteren von der Wirtschaft von morgen ausgeschlossen werden – auch dann, wenn sie bereit und in der Lage sind, eine sinnvolle Arbeit zu leisten.

Joris D’Incà, Schweiz-Chef von Oliver Wyman, sieht mehrere Gründe für das verhältnismäßig gute Abschneiden der Schweiz im Ländervergleich: „Ein Großteil der niedrig qualifizierten Jobs in der Schweiz sind bereits durch Verlagerungen ins Ausland verschwunden. Die Schweizer Industrie sowie die Dienstleistungsbranche haben sich zudem seit Jahren auf Nischen und innovative Geschäftsmodelle ausgerichtet. Das hat sich sich positiv auf den Ausbildungs- und Spezialisierungsstand der Mitarbeiter ausgewirkt.“

Ein Blick auf die Nachbarländer zeigt, dass die Automatisierung das Leben der älteren Arbeitnehmer vor allem in Deutschland und Italien stark beeinflussen könnte – das Verdrängungsrisiko liegt hier bei 57 bzw. 58 Prozent. In Österreich sind 54 Prozent der Arbeitsplätze älterer Mitarbeiter bedroht. Die niedrigsten Risikowerte weltweit weisen Australien mit 42 Prozent und Kanada mit 47 Prozent auf – für diese Länder ergibt sich auch die niedrigste Überalterungsquote.

Ältere Arbeitnehmer als Chance sehen

Steigende Lebenserwartungen und sinkende Geburtenraten führen in vielen Volkswirtschaften dazu, dass die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpft. So geht die UNO davon aus, dass in der Schweiz der Anteil der zur Verfügung stehenden Menschen im erwerbsfähigen Alter an der Gesamtbevölkerung zwischen 2015 und 2030 um knapp sechs Prozent abnimmt.

„Die Automatisierung ermöglicht eine beispiellose Produktivität und gibt den Unternehmen die Möglichkeit, aufgrund von Einsparungen bei den Personalkosten in neue Einnahmequellen und Mitarbeiter zu investieren“, sagt Sebastian Karwautz, Leiter des Bereichs Career Central & Eastern Europe bei Mercer. Dies werde allerdings schwierig, wenn die Nachwuchskräfte fehlen. Unternehmen müssen nun handeln, um trotz dieses soziodemografischen Trends ausreichend Fachkräfte und Mitarbeiter für ihre Arbeit zu gewinnen. So werden die älteren Arbeitnehmer wieder zur Chance.

„Regierungen und Unternehmen sollten ältere Arbeitnehmer stärker integrieren und benötigen einen Plan, der sich nicht nur um ihre umfangreichen digitalen Strategien dreht, sondern auch die ältere Generation berücksichtigt“, so Karwautz weiter. Erfahrungsschatz, Konsolidierung von Wissen, Kontinuität: Investitionen in ältere Mitarbeiter durch betriebliche Umschulungsmaßnahmen und Strategien für ein effektives Job-Redesign machen sich bezahlt, wenn Unternehmen die spezifischen Fähigkeiten gut zu nutzen wissen.

Der vollständige Report steht hier zum Download bereit.

Über die Analyse

Anhand von Daten der Vereinten Nationen (UNO) errechneten die Autoren die Anzahl der älteren Arbeitnehmer in jeder der neun Beschäftigungskategorien der UNO. In den meisten Ländern werden ältere Arbeitnehmer als diejenigen definiert, die noch im Alter zwischen 50 und 64 Jahren erwerbstätig sind – mit Ausnahme von Kanada (45-64 Jahre) und den Vereinigten Staaten (55-64 Jahre). Indem die Autoren diese neun Kategorien auf die Werte des „Risikos der Automatisierung“ der Forscher Martin Frey & Carl Osbourne von der Universität Oxford abbilden, generieren sie gewichtete Durchschnittswerte für das Automatisierungsrisiko älterer Arbeitnehmer für jede Nation und berechnen das durchschnittliche Risiko der Automatisierung für ältere Arbeitnehmer.

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