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Was eine Abkehr vom LIBOR für Finanzdienstleister bedeuten würde

Zürich, 15. März 2018Die Ankündigung der Financial Conduct Authority (FCA), Banken ab Ende 2021 nicht mehr zur Meldung von Zinssätzen zur Berechnung des LIBOR anhalten oder verpflichten zu wollen, könnte möglicherweise breitflächige und erhebliche Auswirkungen für Finanzinstitute, Anleger, Kapitalgesellschaften und Privatkunden mit sich bringen. Das geht aus der aktuellen Studie „Changing the World’s Most Important Number: LIBOR Transition“ der Strategieberatung Oliver Wyman hervor.

Der LIBOR dient als weltweiter Referenzzinssatz für Finanzprodukte für Geschäfts- und Privatkunden im Wert von mehr als 240 Billionen US-Dollar. Darunter Unternehmensanleihen, variabel verzinsliche Anleihen, Derivate, Hypotheken und andere Wertpapiere. Die Umstellung auf alternative Referenzzinssätze dürfte sich schwierig gestalten, falls Risiken und Herausforderungen nicht proaktiv angegangen werden wie aus der Studie der Berater hervorgeht. Zwar wurden für den Grossteil der am häufigsten verwendeten LIBOR

Währungen bereits alternative Referenzzinssätze vorgeschlagen, diese unterscheiden sich jedoch strukturell nicht nur vom LIBOR, sondern auch untereinander, weshalb eine Umstellung höchstwahrscheinlich nicht nahtlos vonstattengehen wird.

Abgesehen von den finanziellen und operativen Risiken, die sich aus der Umstellung auf neue Referenzzinssätze ergeben, könnten auf die Banken wesentliche verhaltensbezogene, reputationsbezogene und rechtliche Risiken zukommen. Die Finanzinstitute müssen für die Umstellung eine vertretbare, konsequente und nachvollziehbare Herangehensweise festlegen und diese ihren Kunden, das heisst Konzernen, anderen Finanzinstituten und Millionen von Privatkunden, klar darlegen.

Der LIBOR ist heutzutage ein wichtiger Eckpfeiler der Finanzbranche. Eine Abkehr vom LIBOR würde sich auf verschiedenste Produkte, Geschäftsbereiche, Systeme und Prozesse auswirken und sich auch für Kunden und Kontrahenten bemerkbar machen. Es besteht ein durchaus ernstzunehmendes Potenzial für negative öffentliche Reaktionen, Verhaltensrisiken und Rechtsstreitigkeiten“, so Tobias Würgler, Partner und Finanzexperte bei Oliver Wyman.

Trotz der Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Abkehr vom LIBOR ermahnt der Bericht die Finanzinstitute, sich allmählich auf die Umstellung vorzubereiten. Um den Übergangsprozess leichter zu gestalten, sollten unmittelbare Gelegenheiten zum Dialog mit Aufsichtsbehörden und Branchenverbänden genutzt werden. Unternehmen sollten zudem in der Lage sein, rasch zu bewerten, welche Bereiche intern betroffen sein könnten. „Auch für die Schweiz wird diese Entwicklung Auswirkungen haben – Schweizer Finanzdienstleister handeln mit einer Reihe von Produkten, denen der LIBOR zugrunde liegt.“

Ersten brancheninternen Schätzungen zufolge könnten sich die Kosten der Umstellung für einige Banken auf mehr als 200 Millionen US-Dollar belaufen und damit ähnlich hoch ausfallen, wie die Kosten für jüngste regulatorische Veränderungen, beispielsweise im Rahmen von MiFID 2, oder für vergangene Umstellungen, wie die Euroumstellung oder den Y2K-Bug. Der Bericht ruft zu Bewusstsein und Handeln auf und empfiehlt, die Planungen für die Umstellung rasch ganz oben auf die Managementagenda zu setzen.

„Eine Beendigung des LIBOR scheint zwar noch in weiter Ferne zu liegen, die Tragweite der Umstellung und das ihr innewohnende Potenzial für finanzielle Auswirkungen bedeuten jedoch, dass die Finanzinstitute sich bereits jetzt darauf vorbereiten sollten“, so Würgler abschliessend.

Die vollständige Studie „Changing the World’s Most Important Number: LIBOR Transition“ ist hier zum Download verfügbar.

 

Pressekontakt

Davina Zenz-Spitzweg
Communications Manager
Oliver Wyman
Tel. +41 44 55 33 746
Davina.zenz-spitzweg@oliverwyman.com

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