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Negativzinsen in der Schweiz: Immer mehr Kunden tragen die Kosten

Zürich, 01. Juni 2017 – Zehn Jahre nach dem Beginn des Niedrigzinsumfelds in der Schweiz sind Banken gezwungen, die Kosten des Niedrigzins an immer mehr Kundengruppen weiter zu geben. In Folge der Negativzinsen sind die Zinsmargen und somit auch die Profitabilität der Schweizer Retailbanken in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Seit 2007 haben sie mehr als ein Viertel ihrer Marge eingebüsst. Allein in 2016 waren es im Durchschnitt zwei Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman, die über 4.500 Jahresrechnungen von 320 Schweizer Banken im Zeitraum von 2003 bis 2016 untersucht hat.

Seit 2007 herrschen in der Schweiz Niedrigzinsen und seit 2015 sogar deutliche Negativzinsen. Mit dieser Historie hat die Schweiz die weltweit längste Erfahrung mit einem Niedrig- und Negativzinsumfeld. Insbesondere Schweizer Retailbanken leiden aufgrund ihrer hohen Abhängigkeit vom Zinsgeschäft unter dieser Situation. Als Folge kämpfen sie mit einer rückläufigen Profitabilität, da das Zinsgeschäft etwa zwei Drittel ihrer Erträge ausmacht.

Die Oliver Wyman-Analyse zeigt, dass die durchschnittliche Zinsmarge von 320 Schweizer Retailbanken zwischen 2007 und 2016 von 160 auf 115 Basispunkte gefallen ist. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Zinsmarge deutscher Volks- und Raiffeisenbanken lag 2016 bei 194 Basispunkten. Die Schweizer Zinsmarge liegt somit deutlich niedriger als im Ausland. „28 Prozent, und somit mehr als ein Viertel ihrer Marge haben Schweizer Retailbanken seit 2007 bereits eingebüsst. Dies ist dramatisch und zwingt Banken entweder zu einer kontinuierlichen Ausweitung der Volumen oder zu Kostensenkungsprogrammen“, sagt Roger Stettler, Principal bei Oliver Wyman in Zürich.

Negative Auswirkungen auch für Kunden

Nicht nur die Retailbanken sind von den Auswirkungen der sinkenden Zinsmarge betroffen, auch die Kunden bekommen die Folgen zu spüren. Sie müssen künftig mit Gebührenerhöhungen rechnen und weiterhin für Hypothekarkredite überhöhte Zinsen bezahlen.

Die Schweizer Banken haben auf den Negativzins mit einer Entkoppelung der Kredit- von den Kapitalmarktzinsen reagiert. Als Folge haben sich die Hypothekarzinsen nach der Einführung des Negativzinses nicht reduziert, so dass Schweizer Hypothekarschuldner nicht von günstigen Zinsen profitieren. Faktisch subventionieren sie nun mit überhöhten Kreditzinsen die Sparer. Da die Banken die Negativzinsen bisher nur sehr selektiv an wenige Kundengruppen weitergegeben haben, stellen die Kreditzinsen eine wichtige Ertragssäule für die Banken dar und konnten bisher nicht gesenkt werden.

„Solange Sparer nicht auf breiter Front Negativzins bezahlen, können durch Spargelder refinanzierte Banken keine niedrigeren Zinsen für Kredite anbieten“, kommentiert Stettler. „Eine 0-Prozent Verzinsung auf ein Bankkonto ist im aktuellen Umfeld ein äusserst attraktives Angebot. Die Schweizer Eidgenossenschaft bezahlt auf zehn Jahre fix weniger.“

Gebührenerhöhungen aufgrund Negativzins
Um die mit dem Negativzins verbundenen Kosten zu kompensieren, verteilen Banken diese nun auch schrittweise auf die verschiedenen Kundengruppen. Insofern sind bei langanhaltenden Niedrig- und Negativzinsen noch weitere Gebührenerhöhungen und zunehmende Negativzinsen auch bei mittelgrossen Einlegerkunden zu erwarten.

Institutionellen Kunden, Pensionskassen, Firmenkunden oder Privatpersonen mit sehr hohen Einlagen ab ca. 1 Million CHF werden Negativzinsen zunehmend direkt weiter belastet, manchmal kombiniert mit einer bestimmten Freigrenze. Da in diesem Segment nur wenige Kunden betroffen sind und die Liquiditätslage der meisten Banken sehr gut ist, ist dies nur mit geringen Risiken verbunden. Bei Kunden mit kleineren Guthaben erhöhen Banken die Gebühren für die Kontoführung und bieten Paketlösungen an.

Schwieriger ist der Umgang mit mittelgrossen Kunden, deren Einlagen zwischen ca. 50.000 und
1 Mio. CHF liegen. Stand Mai 2017 hat noch keine der grösseren Banken in diesem Segment Negativzinsen eingeführt. Denn diese Kundengruppe ist für die Refinanzierung der Banken wichtig, ausserdem stellt Bargeld für sie eine relevante Alternative dar. Aktuelle Überlegungen der Branche gehen auch hier in die Richtung definierter Freigrenzen und eines Schutzes für bestehende Einlagen, kombiniert mit einem moderaten Negativzins für Beträge über dieser Grenze und für Neugelder.

„Der Negativzins muss bezahlt werden. Grosse Kunden zahlen ihn direkt über Negativzinsen, kleinere Kunden über Gebühren und mittelgrosse Kunden über höhere Hypothekarzinsen und sinkende Verzinsung ihrer Pensionskasse“, bringt es Tobias Würgler, Partner bei Oliver Wyman, auf den Punkt.

„Doch die Banken versuchen damit nicht, ihren Zinserfolg zu erhöhen. Vielmehr verhindern sie lediglich eine weitere Erosion ihrer Erträge.“

Höhere Margen im Kreditgeschäft ziehen neuen Wettbewerb an

Doch nicht nur das Negativzinsumfeld macht den Banken zu schaffen. Immer mehr Nicht-Banken wie Pensionskassen, Versicherungen oder Kreditfonds drängen auf den Hypothekarmarkt und konkurrieren mit den Retailbanken um die höheren Margen im Kreditgeschäft. Dies könnte für die Kunden unangenehme Folgen haben, da die Banken nur solange auf Negativzinsen gegenüber Privatpersonen verzichten können, solange die Konkurrenz nicht zu stark wird und die Erträge gefährdet. Daher versuchen die Banken die heutige Quersubventionierung der Sparer durch die Kreditnehmer zu reduzieren, auch um ihr Geschäft vor der Konkurrenz zu schützen.

 

Pressekontakt

Diana Büchner
Communications Associate DACH
Oliver Wyman AG
Tel. +41 44 55 33 285

diana.buechner@oliverwyman.com

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